Integrative Musiktherapie

Integrative Musiktherapie ist eine psychotherapeutische Methode, die interdisziplinär und intermedial mit kreativen Medien arbeitet und gehört damit zu den Kreativitäts­psycho­therapien. Dabei geht es darum, sich in kreativen Prozessen selbst zu erfahren, Probleme sichtbar und Erkenntnisse für einen Veränderungsprozess transparent zu machen.

Interdisziplinär bedeutet in der Integrativen Therapie, dass der Mensch in seiner Ganzheit wahrgenommen wird und alle Lebensbereiche mit in die Betrachtung einbezogen werden. Es geht um den Transfer des Gelernten in den Alltag, also darum, gewünschte Veränderungen hin zu einem zufriedenen und gesunden Leben zu integrieren.

Intermedial bedeutet, dass wir in der Integrativen Therapie mit verschiedenen Medien arbeiten, mit der Sprache, mit Musik, mit Malen u.a. Die intermediale Arbeit ermöglicht, sich auf verschiedenen Ebenen wahrzunehmen und multisensorisch zu erfassen.

Der „Leib“ spielt in diesem Zusammenhang eine zentrale Rolle. Dieser wird als Einheit von Körper, Geist und Seele gesehen und somit ganzheitlich erfasst und therapiert. Der Mensch ist Experte seines Selbst und erfährt sich in zwischenleiblichen Erfahrungen und in Ko-respondenz mit Hilfe seines Gegenübers. Hierbei hilft ihm die psychotherapeutische Kompetenz des Therapeuten, der auf Augenhöhe mit Respekt und Vertrauen den Heilungsprozess begleitet. Darüber hinaus geht es immer auch um die Persönlichkeitsentwicklung und darum, Ressourcen und Potentiale zu erkennen und gezielt zu fördern. Der Patient erlebt sich in einem intersubjektiven, ko-kreativen Prozess in Kontext und Kontinuum mit seinen Mitmenschen und seiner Umwelt. Dies wäre ihm als soziales Wesen ohne Resonanz von Mitmenschen nicht möglich. Die Ko-kreativität spielt hier auch eine entscheidende Rolle, denn durch die kreativen Medien erhält er Zugang zu Potentialen, die ihm Transgressionen ermöglichen, das heißt es entsteht etwas Neues und er wird damit zum schöpferischen Menschen.

Autorin: Ilka Siegert (Musiktherapeutin / Heilpraktikerin für Psychotherapie)

Geschichte der Musiktherapie

Wir wissen heute, dass Menschen schon seit der frühen Menschheitsgeschichte Musikinstrumente gebaut haben und damit experimentiert haben.

In der sumerisch-akkadischen Zeit (vor ca. 4200 Jahren) wurde Musik als Heilkunst angewendet. Es wurden Tempelhymnen komponiert, diese Heilklänge versetzten die Zuhörer in tranceartige Zustände. Es wurden Götter beschwört und Dämonen vertrieben. Diese Heilungsriten dominierten bis in die Frühantike hinein.

In der klassischen Antike diente die Musik zur Wiederherstellung geistig-seelischer Harmonie. Kranke Menschen befanden sich in Unordnung, die wieder harmonisiert werden musste. Neben diesen reinigenden und ordnenden Effekten sollte die Musik gleichzeitig die Seele erziehen.

Im Mittelalter stellte die Musik einen wichtigen Bestandteil innerhalb der medizinischen Behandlung dar. Ein Mensch wurde als krank bezeichnet, wenn sein Puls in Tempo und Intensität von der Norm abwich. Bis ca. 1550 gehörte die Musik zum Fächerkanon eines Medizinstudiums.

In der Renaissance beschäftigten sich die Wissenschaftler mit den Zusammenhängen von Musik mit menschlichen Affekten.

In der Romantik verlor die Musik den Bezug zum medizinischen Bereich der körperlichen Erkrankungen und verlagerte sich auf die psychologische Behandlung von seelischen Leiden. Die Musiktherapie spielte kaum mehr eine Rolle und wurde nur vereinzelt in psychiatrischen Kliniken angeboten.

Mitte des 20. Jahrhunderts wurde die Musiktherapie wiederbelebt. Heute gibt es inzwischen in fast allen Krankenhäusern Kreativtherapien, zu denen auch die Musiktherapie gehört, die eine Methode der Psychotherapie ist.

Die Integrative Musiktherapie ist eine Methode der Integrativen Therapie, die in den 60-er Jahren von Prof. Dr. Hilarion Petzold begründet und bis heute weiter entwickelt wird.

Autorin: Ilka Siegert (Musiktherapeutin / Heilpraktikerin für Psychotherapie)